Das Neujahrsblatt des Jahres 2014 ist dem Kaiser gewidmet: Gestalt und
Gestaltungen eines Gestalters. Ein bunter Strauss zum 1200. himmlischen Geburtstag von
Karl dem Grossen mehr dazu auf dieser Seite >>> hier
Kaiser Karl der Große als Stifter des Großmünsters
Bildnyss Keiser Caroli Magni wie er das Modell zu der Stifts Kirche des grossen Münsters
in Zürich auf den händen trägt, nach einem uralten Gemählde in der
Probstey in Zürich, aus Johannes Müller: »Merckwürdige
Ueberbleisel von Alter Thümmeren an verschiedenen Orten der Eydtgenosschaft nach
Originalien gezeichet«, Zürich, 1773–1783. Quelle:
Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung Digitalisat: https://doi.org/10.3931/e-rara-60653
853 erhebt Ludwig der Deutsche in Zürich am
linken Limmatufer ein dort schon zuvor bestehendes Klösterchen in den
Rang einer königlichen Abtei, indem er es reichlich ausstattet,
monastisch diszipliniert und seine älteste Tochter Hildegard zu dessen
Äbtissin macht. (Später "Fraumünster" genannt.) Das königliche
Privileg vom 21. Juli ist erhalten. Die
rechtsufrige Klerikergemeinschaft kam damit unter eienn Rechtfertigungsdruck.
Im
10. Jahrhundert entsteht eine Kompilation älterer Texte, der sogenannte
Rotulus R1, der glaubhaft machen will, Karl der Große habe die Kleriker
von SS. Felix und Regula reich begabt. Diese Urkunde wird zwischen 1150
und 1250 in zwei Anläufen zu einem eigentlichen Verwaltungsbefehl des
Kaisers umformuliert. Dieser ist dann durch das ganze Spätmittelalter
und in der Frühneuzeit als das Gründungsdokument des Grossmünsters
betrachtet worden.
Edition von R1: Hannes STEINER, Alte Rotuli neu
aufgerollt, Quellenkritische und landesgeschichtliche Untersuchungen zum
spätkarolingischen und ottonischen Zürich, Diss., Freiburg im Breisgau
und München 1998 (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte.
42).
In den Statutenbüchern der Propstei (d.h. des
Chorherren-Stifts, Redaktion 1346) wird Karls des Großen öfters als des
Stifters gedacht: beatus Karolus magnus imperator et confessor ac fundator et
donator ecclesie nostræ prepositure Thuricenis.
In der Chronik des
Heinrich Brennwald (1508–1516 verfasst) ist die Ansicht bereits gang und gäbe:
Carolus der Grosse / als er An. 802. zu Zürich eine Weil Hof
gehalten.
Wie war es wirklich? Martin GABATHULER / Maria
WITTMER-BUTSCH: Die Karolinger und das Kanonikerstift am Großmünster in Zürich,
in: Francia. Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, Herausgegeben vom
Deutschen Historischen Institut Paris, Jan Thorbecke Verlag, Band 45 (2018), S.1–26. Dieser
Aufsatz kommt zum Ergebnis: Karl der Grosse ist der Stifter; dies wird im Rotulus 2
als antiqua constitutio magni KAROLI formuliert. Zeitraum: anlässlich
der Reisen Karls nach Italien 786 oder wahrscheinlicher 800. Die Stiftung
wird dann im Jahre 810 in Zürich von seinem Sohn König Karl bestätigt;
dessen Reisebegleiter Bischof Theodor von Orléans weiht die Kirche am 12.
September.
In einem zweiten Aufsatz zeigt Maria Wittmer-Butsch, dass Karl der
Große auf der Durchreise nach Rom im Jahr 800 dem Bischof Egino von
Konstanz eine Vollbibel geschenkt hat, einen Codex mit der Revision des Bibeltexts
durch Theodulf von Orléans, der Karl begleitete. Die Schenkung war nicht ganz
zweckfrei, sondern eine diplomatische Geste, um mit bischöflicher Erlaubnis das
Kloster in Zürich kirchenrechtlich in eine Kanonikergemeinschaft (ein königliches
Chorherrenstift; die Kleriker befolgten die Chorherrenregel des Bischofs Chrodegang
von Metz) zu überführen. (Der Codex befindet sich heute in der Dombibliothek
Konstanz mit der Signatur WLB, HB II 16).
Maria WITTMER-BUTSCH: Zwei
Theodulf-Bibeln aus der Konstanzer Dombibliohtek. Frühmittelalterliche Belege für
karolingische Herrscherreisen nach Italien, in: Schriften des Vereins für
Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 137. Heft (Thorbecke-Verlag 2019), S.
243–263.
Bronzerelief an der limmat-seitigen
Türe des Großmünsters in Zürich von Otto Münch [1885–1965],
(1939)
Anekdoten
Hier
versammelt sind einige – historisch nicht ernst zu nehmende –
Anekdoten, in denen Kaiser Karl der Große (s)eine Rolle spielt. (Verf.
P.M.)
••• Die Seele Karls des Großen auf der Waagschale
(PDF-Datei)
••• Hier steht ein Beitrag
(PDF-Datei) zum Umgang mit der Gestalt Karls des Großen.
•••
Hier steht ein Beitrag (PDF-Datei) zum Elefanten Abul
Abaz, den sich Karl der Große von Harun ar Raschid anno 802 schenken ließ.
••• Karl der Grosse importiert das Denkmal des Theoderich – und
dann wird es unter der Regentschaft seines Sohnes um-interpretiert: De
imagine Tetrici (als PDF)